Werkstatt-(Er)leben

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Möbel und Bücher für kleines Geld

Artikel aus der Lausitzer Rundschau vom 20. Februar 2015

Lebenshilfe-Werkstätten haben in alter Schule “Am Wasserwerk” Sozialkaufhaus eingerichtet.

Mit dem Erwerb der ehemaligen Förderschule Am Wasserwerk im Jahr 2013 haben die Lebenshilfe-Werkstätten “Hand in Hand” sehr gute Bedingungen für die Betreuung und Beschäftigung von psychisch Erkrankten und Menschen mit geistiger Behinderung vorgefunden. Nach einjähriger Umbauzeit wurde im Sommer 2014 das neue Objekt bezogen.

Die neue Werkstatt umfasst 1600 Quadratmeter bebaute Fläche mit einem Montagebereich, einem Küchenbereich und einem Sozialkaufhaus. Zwei Gruppen, die hauptsächlich mit der Rückrenovierung von Wohnungen beschäftigt sind, konnten hier ebenfalls neue Räumlichkeiten beziehen. Henry Dommenz erzählt, dass die Idee eines Sozialkaufhauses schon lange in seinem Kopf rumspukte. Doch stets waren die Räumlichkeiten nicht passend, sodass sich seine Idee erst mit dem Erwerb des Gebäudes Am Wasserwerk umsetzen ließ. Bereits seit 1997 haben die Lebenshilfe “Hand in Hand”-Werkstätten Wohnungsauflösungen und –Rückrenovierungen im Angebot. “Viel wurde damals weggeschmissen, weil es einfach keine Möglichkeit der Lagerung gab”, erzählt Werkstattleiter Henry Dommenz. Jetzt gibt es die Möglichkeit, gut erhaltene Möbel sowie Hausrat aller Art über das Sozialkaufhaus für kleines Geld zu verkaufen.

“Die Sachen stehen bei uns hier nie lange, der Zulauf hat wirklich meine Erwartungen übertroffen”, erzählt Werkstattleiter Dommenz. “Es gibt Leute, die kommen hier jeden Tag vorbei, und mein Telefon steht vor Anfragen wegen Wohnungsauflösungen und Rückrenovierungen kaum still”, ergänzt er.

Gruppenleiter Frank Machnow koordiniert die Geschicke im Sozialkaufhaus. Er sichtet Brauchbares in den zu räumenden Wohnungen und organisiert die Transporte. Mittlerweile gibt es feste Abhol- und Liefertage. Hierfür werden aus den verschiedenen Gruppen der Werkstatt starke Männer gebraucht, welche die Möbel aus den Wohnungen abholen und zu den neuen Besitzern bringen. Mit der Einrichtung des Sozialkaufhauses konnten einige neue attraktive Arbeitsplätze für Menschen mit geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen geschaffen werden. Maria und Tatjana archivieren alles haargenau und sorgen nicht nur für Ordnung in den Räumen des Kaufhauses, sondern auch dafür, dass alles ansprechend für die Besucher aufgestellt wird. Den beiden jungen Frauen macht es großen Spaß, in “ihrem” Sozialkaufhaus zu arbeiten.

Akribisch beschäftigt sich Christopher mit der Registrierung der Bücher, Schallplatten, DVDs und CDs. Fast 9000 Bücher sind derzeit im Sozialkaufhaus genau archiviert und warten auf neue Besitzer. “Die Nachfrage nach Büchern ist derzeit noch nicht so groß, obwohl wir wirklich vom neuesten Bestseller bis zur Heimatliteratur alles haben”, erzählt Henry Dommenz. Deshalb soll es auch am 3. November von 14 bis 19 Uhr einen großen Bücherbasar im Haus für die Öffentlichkeit geben. Ebenfalls im Herbst soll dann eine große Eröffnungsfeier des Hauses Am Wasserwerk folgen. “Wir sind hier angekommen, alle sind glücklich und zufrieden, das wollen wir dann mit der Öffentlichkeit feiern”, sagt Werkstattleiter Henry Dommenz.

Ute Richter / utr1

Maria (l.) und Tatjana arbeiten gern im Sozialkaufhaus der Lebenshilfe-Werkstätten "Hand in Hand" Am Wasserwerk. Foto: utr1
Maria (l.) und Tatjana arbeiten gern im Sozialkaufhaus der Lebenshilfe-Werkstätten “Hand in Hand” Am Wasserwerk.
Foto: utr1

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