Artikel aus der Lausitzer Rundschau vom 25. Februar 2010
COTTBUS / Sechs junge Menschen mit Handicap erhalten eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt: Sie sind Verkaufshelfer im CAP-Supermarkt in der Cottbuser Pückler-Passage, der am kommenden Mittwoch öffnet.

Im CAP-Lebensmittelmarkt: Lydia Zabel, Nadja Bobusch und Daniel Deutschmann (v. l.) bestücken Regale. Foto: Jan Grundmann
Nadja Bobusch ist emsig mit dem Füllen der Regale beschäftigt. Die 26-Jährige arbeitet seit dem Jahr 2007 in den Lebenshilfe-Werkstätten Hand in Hand für Menschen mit Behinderungen in Cottbus. „Ich war im Catering tätig, habe Essen gekocht und ausgefahren“, erzählt die Schwerbehinderte, die an einer sozialen Phobie, Anpassungsstörungen und Lernschwäche leidet. „Da ist die Arbeit hier im Supermarkt natürlich eine große Herausforderung für mich.“ Daniel Deutschmann sieht eine große Chance, dauerhaft auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. „Nach der sechsmonatigen Probezeit winkt ein unbefristeter Arbeitsvertrag“, sagt er. Der 25-Jährige leidet an Schizophrenie, auch er arbeitet seit Jahren in den Lebenshilfe-Werkstätten im Catering – für ein Taschengeld, wie Geschäftsführerin Tamara Swensson erläutert.
Die Lebenshilfe-Werkstätten sind Gesellschafter des Cottbuser Franchise-CAP-Marktes. „Hier im Supermarkt sind sie sozialversicherungspflichtige Angestellte, ganz normal“, schwärmt die Geschäftsführerin. Die sechs „Integrationsbeschäftigten“ werden durch sieben weitere Mitarbeiter an die Arbeit herangeführt, erklärt sie. „Mittelfristig hoffen wir, dass sie richtige Verkäufer werden und komplett einsetzbar sind.“ Nicht jeder werde es schaffen, mit den eigenen Phobien und Behinderungen dem Druck der neuen Arbeitssituation standzuhalten. „Aber wir werden es versuchen. Und nur dafür gibt es die Fördergelder“, so Swensson. Denn der neue CAP-Markt bekommt Finanzhilfen etwa von der gemeinnützigen Aktion Mensch und der Arbeitsagentur – für Ausstattung und Bau, für Personalkosten-Zuschüsse in den ersten fünf Jahren.
14 Menschen aus den Lebenshilfe-Werkstätten hätten sich auf die sechs Stellen im Supermarkt beworben, so Swensson. Nach einem Vorbereitungskurs zu Grundlagen im Warenangebot und Kundengesprächen wird es für sie am kommenden Donnerstag, den 4. März, richtig losgehen. Dann eröffnet der CAP-Markt. „Es ist der erste Markt in Brandenburg“, erklärt Filial-Franchisenehmer Martin Weimann.
Der Centermanager der Pückler-Passage, Rainer Willner, ist froh, nach dem Auszug des Edeka-Supermarktes im Februar 2009 einen Nachmieter gefunden zu haben – auch wenn die Mietfläche um ein Drittel auf 900 Quadratmeter verkleinert wurde. „Es war ein langer Weg. Aber ein moderner Markt ist entstanden“, so Willner.
Von Jan Grundmann